Inhorgenta 2019 mit deutlich mehr Uhrenfirmen

Fachmesse weiterhin auf Wachstumskurs

Bild 1: Auf der Fachmesse Inhorgenta 2019 in München waren in Halle A1 die Hersteller und Anbieter von Uhren der unterschiedlichsten Preisklassen präsent.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Die Fachmesse Inhorgenta ist weiterhin stark auf Wachstumskurs und konnte in München erneut viele Besucher faszinieren. Allerdings hat die Uhren-Branche auch Sorgen – insbesondere in Sachen Nachwuchs.

– Vom 22. bis 25.2.2019 fand in München die Uhren- und Schmuckfachmesse Inhorgenta statt. Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München GmbH (Bild 2 links außen), freute sich auf der Hauptpressekonferenz am 22. Februar über einen erneuten Ausstellerzuwachs bei dieser Fachmesse – bereits zum vierten Mal in Folge. 1052 Aussteller aus 41 Ländern belegten in diesem Jahr sechs Messehallen. Dabei verzeichnete der Bereich Uhren einen deutlichen Zuwachs von 16 Prozent und konnte sich über einige signifikante Aussteller-Neuzugänge oder „Rückkehrer“ nach längerer Pause freuen – hierzu zählen laut Messe München bekannte Uhrenmarken wie Alpina, Bering, Bruno Söhnle, Bulova, Citizen, Ebel, Frederique Constant, Garmin, Joop!, leBebé, Maurice Lacroix, MeisterSinger, Michel Herbelin, Nautische Instrumente Mühle Glashütte, Sinn, S.Oliver und Tutima.

Bild 2: Hauptpressekonferenz der Fachmesse Inhorgenta 2019 am 22.2.2019. Von links nach rechts: Klaus Dittrich (Vorsitzender der Geschäftsführung Messe München GmbH), Stephan Lindner (Präsident Bundesverband der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte e.V.), Kai Tutschke (Geschäftsführer Garmin), Stéphane Waser (Geschäftsführer Maurice Lacroix).
(Foto: Peter Pernsteiner)

Nur wenige Uhrenhändler befürchten sinkenden Umsatz

Dittrich berichtete, dass in einer aktuellen Untersuchung immerhin 53 % der befragten Unternehmer aus der Uhren- und Schmuckbranche für die Zukunft mit einem steigenden Umsatz rechnen und lediglich 13 Prozent einen sinkenden Umsatz befürchten. Interessant ist auch das Ergebnis einer Verbraucherbefragung von Millenials (= Geburt in den frühen 1980er- bis späten 1990er-Jahren) nach deren Schmuckinteresse: Mit einer Quote von 63 Prozent liegen die klassischen Armbanduhren bei Männern ganz klar vorne. Bei Frauen beträgt diese Quote sogar 66 Prozent und hier ist der Silberschmuck ebenfalls bei 66 Prozent. Aber nicht nur traditionelle Uhren sind gefragt, denn auf Platz zwei unter den männlichen Befragten lagen mit 51 Prozent die Smartwatches bzw. Uhren mit digitalen Zusatzfunktionen. Bei den Frauen belegten diese zwar nur Platz vier nach Silber- und Gold-/Platin-Schmuck, hatten aber sogar eine Quote von 53 Prozent (Details siehe Bild 4). Deshalb freute sich der Messechef Klaus Dittrich ganz besonders, dass in diesem Jahr erstmals der Smartwatch-Hersteller Garmin auf der Inhorgenta ausstellte.

Bild 3: Die Watchpeople GmbH präsentierte auf der Inhorgenta ihre neue Uhrenmarke Walter Gropius.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Garmin setzt auf Uhrenfachhandel

Im Rahmen der Pressekonferenz erklärte Kai Tutschke, Geschäftsführer von Garmin (siehe Bild 2, zweiter von rechts), dass er im letzten Jahr sehr positive Erfahrungen mit Uhrenfachhändlern hatte. Sie sind genau die richtigen Personen, um ihren Kunden die doch recht erklärungsbedürftigen Fitnessuhren zu erläutern. Und die Uhrenfachhändler freuen sich, dass Smartwatch-Käufer in der Regel wieder kommen, um sich über Nachfolgemodelle beraten zu lassen und auch, um beispielsweise mechanische Uhren zu kaufen. Genau deshalb war es laut Garmin vollkommen richtig, bereits in 2018 nicht weniger als 17 verschiedene Garmin-Smartwatches exklusiv über den Uhrenfachhandel zu verkaufen. In diesem Jahr will Garmin diese positive Handelsbeziehung noch einmal stärken und 30 weitere Smartwatches exklusiv nur über den Uhrenfachhandel anbieten.

Bild 4: Die Messe München stellte auf der Hauptpressekonferenz der Inhorgenta 2019 auch Ergebnisse einer Umfrage vor.
(Grafik: Messe München – abfotografiert von Peter Pernsteiner)

Emotionen und Kompetenz des Fachhandels

Auch Stephan Lindner vom Bundesverband der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte e.V. (BVJ) (siehe Bild 2, zweiter von links) sieht für die Uhrenbranche stabile Marktverhältnisse, obwohl die Uhrenumsätze im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent zurückgegangen sind. Lindner betonte allerdings, dass das Geschäft mit höherpreisigen mechanischen Uhren wesentlich besser war, als der Markttrend. Für ihn steht fest, dass bei der Vermarktung von handwerklich aufwendig gefertigten Uhren die Emotion der Kunden sehr entscheidend ist und pure Emotionen nicht am Computer im Internet funktionieren. Deshalb ist aus Sicht des BVJ die Kompetenz im Uhrenfachhandel sehr wichtig.

Bild 5: Dieser raffinierte Schnellverschluss der Armbänder der Smartwatch fenix 5 Plus von Garmin lässt wirklich sekundenschnell öffnen und verriegeln.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Ersatzteilprobleme

Allerdings gibt es hier aktuell zwei große Probleme, die dem Uhrenfachhandel schwer zu schaffen machen. Zum einen leiden Fachhandel und Werkstätten sehr darunter, dass die Ersatzteillieferung zur Revision von Uhren immer schlechter wird – wohl ganz besonders bei den Schweizer Uhrenherstellern. Wenn eine Revision nur beim Hersteller gemacht werden darf und Kunden acht und mehr Monate warten müssen, bis sie ihre Uhr zurückbekommen, ist die Gefahr sehr groß, dass so mancher Kunde gänzlich die Lust an mechanischen Uhren verliert.

Nachwuchssorgen

Noch größer ist aber das Problem, dass es zu wenig Nachwuchs in der Branche gibt, obwohl Uhrmacher überall händeringend gesucht werden. Wichtig ist den Verbänden von Industrie und Handel der deutschen Schmuck-, Uhren- und Edelsteinbranche, dass der Fachhandel bei Aus- und Weiterbildung gestärkt wird, um die Attraktivität dieser Branche für Berufseinsteiger und Auszubildende zu erhöhen. Irgendwie stecken wohl derzeit die Uhrmacherschulen in einer regelrechten Krise, weil sich immer noch sehr wenige junge Menschen zu einer entsprechenden Berufsausbildung entschließen. Deshalb war es sehr schön, dass sich auf der Inhorgenta in Halle A2 auch drei Uhrmacherschulen aus Hamburg, Villingen-Schwenningen und Würzburg präsentieren durften (Bild 6). Und obwohl es in ganz Deutschland derzeit nur drei Schulen mit Uhrmachermeister-Kursen gibt (in Glashütte, Villingen-Schwenningen und Würzburg), haben diese Schulen teilweise sogar Probleme, dass ihre Meisterkurse überhaupt zustande kommen.

Bild 6: In Halle A2 der Inhorgenta 2019 warben drei Uhrmacherschulen um Nachwuchs – hier im Bild der Stand der Feintechnikschule in Villingen-Schwenningen.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Aus diesen Gründen wurde auf der Hauptpressekonferenz der Inhorgenta der Start der virtuellen Bildungsnetzwerks Uhren und Schmuck (BUS) bekanntgegeben. Das BUS ist ab sofort kostenlos im Internet unter https://uhren-schmuck.org erreichbar und soll sukzessiv erweitert werden.

Abwechslungsreiches Ausstellungsprogramm in Halle A2 und A1

Für mich persönlich war der Messerundgang zum Thema Uhren sehr abwechslungsreich. In Halle A2 präsentierten sich neben den drei bereits erwähnten Uhrmacherschulen unter anderem Hersteller und Anbieter von Werkzeugen, Verpackungs- und Ladenbedarf. Sehr faszinierend waren auch auch die Anbieter und Hersteller von Miniatur-Punktschweißgeräten mit Stereo-Mikroskop, 3D-Druckern, 3D-Fräßmaschinen oder Pressluft-gestützten Graviergeräten.

Halle A1 war fast ausschließlich mit Anbietern und Hersteller von Uhren belegt. Hier war wirklich für jeden Geschmack einiges dabei. Interessant war beispielsweise, dass wohl Holz für Uhrengehäuse ein richtiger Trend zu werden scheint. Die Produktion von Uhrenkollektionen im Einsteiger-Preissegment mit individualisierbaren Ziffernblättern in Auflagen ab 50 Exemplaren scheint ebenfalls nicht nur ein kurzzeitiger Trend zu sein.

Design ist Trumpf

Ganz deutlich wurde auf der Inhorgenta, dass das Uhrendesign immer wichtiger wird. Sogar der Bauhaus-Stil macht vor Uhren keinen Halt. Deshalb war es sehr interessant, dass die Watchpeople GmbH unter dem Namen des bekannten Bauhaus-Architekten Walter Gropius eine ganze Kollektion und Division gegründet hat. Die sehr bunte Kollektion an Quarzuhren (siehe Bild 3) wird in Deutschland gefertigt und soll zu Preisen zwischen 169 und 249 Euro vermarktet werden. Auch andere Marken werben jetzt stark mit „Made in Germany“, wie beispielsweise der Anbieter von Handaufzugs- und Automatik-Armbanduhren unter dem fantasievoll klingenden Namen Carl von Zeyten mit Listenpreisen zwischen 299 und 499 Euro.

Virtuelle Uhren

Allerdings waren auf der Inhorgenta erstmals auch zwei Messestände mit „virtuellen“ Uhren vertreten – sprich Smartwatches mit Touch-Display und Bordcomputer anstelle eines Uhrwerks mit echtem Ziffernblatt. Zum einen stellte der Navi-Spezialist Garmin sein aktuelles Sortiment an Fitness-Uhren vor (eine dieser Uhrenfamilien habe ich mir in einem Interview auf der Messe erklären lassen – siehe am Ende dieses Beitrags). Zum anderen präsentierte der Handels-Dienstleister Komsa sein POS-Konzept zur Vermarktung von Smartwatches und zeigte deshalb auch an seinem Messestand das vielfältige Smartwatch-Programm einiger bekannter Hersteller.

Bild 7: Die Armbanduhr Echo der Marke Más Tu Vu sind ist im wahrsten Sinne des Wortes sehr Edel. Das Modell Labyrinth (Mitte) hat an der Oberfläche 611 Diamanten und 576 Saphire und zeigt die Uhrzeit auf Knopfdruck mit Hilfe von dahinter sitzenden roten LEDs. Das Modell Echo (links und rechts) mit einem schweizer Quarz-Uhrwerk hat eine rotierende Ziffernblattscheibe mit Diamanten, die sich bei Bewegung der Uhr faszinierend funkelnd dreht.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Uhren als Schmuckstücke und Faszinosum

Natürlich gab es auch einige interessante Schmuck-Uhren, wie beispielsweise Damen-Armbanduhren von M´as Tu Vu, deren Gehäuse und Ziffernblätter mit unzähligen kleinen Diamanten bestückt sind. Am meisten schillerte hier das Modell Echo dieses Herstellers, das mit zwölf farbigen Saphiren und mehr als 1000 weißen Diamanten mit zusammen rund 6 Karat belegt ist, von denen ein Teil in der Mitte der Uhr anstelle eines Ziffernblattes regelrecht rotiert, wenn man die Uhr bewegt (Bild 7).

Am meisten faszinierten mich aber auf der Inhorgenta die aufwendigen Handarbeit-Uhren von bekannten deutschen Nobel-Marken wie MeisterSinger, Nautische Instrumente Mühle oder Tutima. Und absolut ungewöhnlich war die in einer Deutschland-Premiere geziegte AIKON Mercury von Maurice Lacroix, die ich im mir im Rahmen des nachfolgend verlinkten YouTube-Interviews habe erklären lassen. Stéphane Waser, Geschäftsführer (CEO) von Maurice Lacroix (siehe Bild 2, rechts), hat mir diese Uhr mit einer raffiniert-verspielten und vollkommen neu entwickelte Anzeige-Komplikation mit der Bezeichnung „Freie Zeiger“ vorgestellt. Blickt man „normal“ am Handgelenk auf die Uhr, zeigt sie ganz konventionell die aktuelle Uhrzeit mit zentraler Stunde und Minute. Wird die Uhr von dieser Blickrichtung weggeneigt, fangen der Stunden- und Minutenzeiger an, sich vollkommen frei zu drehen und „vernachlässigen“ quasi ihre Chronometer-Pflicht. Wird die Uhr komplett am Handgelenk nach hinten gedreht, folgen die Zeiger natürlich endgültig der Schwerkraft und „fallen“ auf 12 Uhr. Sobald man die Uhr am Handgelenk wieder zu sich dreht, fallen die Zeiger zurück in ihre Sollposition und zeigen die exakte Uhrzeit. Maurice Lacroix hat an dieser neuen patentierten Uhrwerk- und Anzeige-Komplikation rund drei Jahre in seiner Manufaktur in Saignelégier in der Schweiz entwickelt. Die Armbanduhr aus Edelstahl hat einen Durchmesser von 44 Millimeter und eine Dicke von 14 Millimeter und ist voraussichtlich am dem Herbst 2019 lieferbar. Als Preis nannte Stéphane Waser 7500 Euro.

Abschließend noch das weiter oben bereits versprochene Inhorgenta-Interview über eine aktuelle Smartwatch-Familie. Peter Weirether, Produktmanager von Garmin, hat mir die Funktionsvielfalt von GPS-Multisport-Smartwatches am Beispiel der Uhrenserie „Fenix 5 Plus“ erklärt. Mit dieser Smartwatch können drei verschiedene Satelliten-Systeme zur Positionsbestimmung empfangen werden (GPS, Glonass und Galileo). Zudem unterstützt sie zur Kommunikation mit Smartphones WLAN und Bluetooth und zum Datenempfang von diversen drahtlosen Sensoren den Standard ANT+. Außerdem hat die Uhr einen integrierten Speicher mit 16 GB für Landkarten, Musik und mehr und kann auch für bargeldlose Bezahlsysteme genutzt werden.