Besuch der Uhrenmanufaktur Erwin Sattler

Bild 01: Ziffernblatt der Wand-Pendeluhr „Secunda Sonata“ von Erwin Sattler.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Außergewöhnliche Handwerkskunst

– In Gräfelfing bei München gibt es eine kleine Uhrenmanufaktur der Extraklasse. Am 1. Juli 2017 lud die Erwin Sattler GmbH zum Tag der offenen Tür ein. Das Unternehmen zeigte eindrucksvoll, dass man auch noch in Deutschland mit einem Handwerks-Produktionsbetrieb voll und ganz wettbewerbsfähig sein kann – man braucht hierfür nur die richtigen Ideen und die entsprechend fähigen Mitarbeiter. Mein kleiner Ausflug zu dieser Firma hat sich voll gelohnt, obwohl ich mir diese tollen Uhren leider nicht leisten kann – aber was nicht ist, kann ja vielleicht irgendwann doch mal was werden.

Bild 02: Zeitlos elegante Wanduhren „Made in Germany“ von Erwin Sattler in Gräfelfing bei München – hier ein Blick auf einige in der Manufaktur gefertigte Komponenten.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Die Kombination aus richtigen Ideen, tollem Design, Präzision und kompetentem Personal scheint das Erfolgsrezept des 1958 von Erwin Sattler und seiner Ehefrau Viola gegründeten Unternehmens zu sein. Die Firma ist bis heute im Familienbesitz. Sie setzt konsequent auf „Made in Germany“ und auf eine weitestgehende Fertigung im eigenen Haus. So werden nahezu alle Teile der imposant gestylten Tisch-, Wand- und Stand- und Schiffsuhren direkt in der Gräfelfinger Werkstatt produziert – von Chassis, Anker, Zahnrädern, Seilrolle, Gewicht und Pendel bis hin zu Zeigern und Ziffernblatt sowie einem optionalen Barometer-Ausgleich.

Bild 03: Hier werden in der Werkstatt von Erwin Sattler bombierte Zeiger aufwendig von Hand gefertigt – zunächst aus einem gelaserten Stahl-Zeigerrohling halbrund gefeilt …
(Foto: Peter Pernsteiner)

Und einige Teile werden sogar aufwendig liebevoll in echter Handarbeit produziert, wie beispielsweise die optional erhältlichen „handbombierten“ Zeiger (siehe Bild 03 und 04). Hierfür werden per Laser geschnittene Zeigerrohlinge aus kohlenstoffhaltigem Stahl zunächst vorgeschliffen und auf einer Messingaufnahme per Lack fixiert. Dann folgt die langwierige Handbearbeitung mit Feilen und feinsten Schleifvliesen sowie das Hochglanzpolieren an einer Schwabbel (Poliermaschine). Schließlich wird der Zeiger von der Messingaufnahme gelöst und auf eine Messingplatte mit Spänen gelegt unter die ein Bunsenbrenner kommt. Die Flamme muss sehr behutsam kontrolliert werden, weil die oberste Schicht der Zeiger nur bei einer bestimmten Temperatur von ca. 300 Grad Celsius das typische „Kornblumenblau“ bekommt. Ist die Temperatur geringfügig höher oder niedriger führt dies zu anderen Blautönen und bei noch größerer Temperaturabweichung zu unschönen grauen oder braunen Zeigern. Die Produktion eines einzigen Zeigersatzes dauert fast einen ganzen Arbeitstag.

Bild 04: … dann geschliffen und poliert und später mittels Bunsenbrenner gebläut.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Familienbetrieb seit Generationen

Begonnen hat die Geschichte des Unternehmens eigentlich bereits beim Großvater Heinrich Sattler. Der Uhrenmeister erhielt im Jahr 1903 das Patent für den Mechanismus eines ewigen Kalenders für mechanische Uhren zur Anzeige von Tag, Monat und Wochentag, der nur alle 200 Jahren einmal von Hand umgestellt werden muss, weil auch die Schaltjahre berücksichtigt werden. Eine aktuelle Sattler-Uhr mit ewigem Kalender ist auf Bild 20 zu sehen.

Das Unternehmen beschäftigt heute mehr als 20 Mitarbeiter – die meisten davon sind Uhrmacher oder Uhrmachermeister. 1958 gründete Erwin Sattler dann in Gräfelfing die Firma „Uhren Sattler Stiluhren“ zum Bau von Großuhren. Zwischen 1992 und 2002 entwickelte sich das Unternehmen dann zu einer Manufaktur, die ihre Präzisions-Großuhren in Kleinserien nahezu autark mit einer Fertigungstiefe von 90 Prozent produziert. Noch heute ist das Unternehmen im Familienbesitz – es wird gemeinsam geleitet von Stephanie Sattler-Rick und von Richard Müller.

Bild 05: Blick in eine CNC-Fräsmaschine bei Erwin Sattler.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Natürlich gab es am Tag der offenen Türe einen tieferen Einblick in die Uhrenproduktion. Zunächst durften wir die Metallverarbeitungsabteilung besichtigen. Hier werden vielen Uhrenteile beispielsweise mit computergesteuerten Fräsen und Bohrmaschinen geformt und bearbeitet (Bild 05). Diese Maschinen werden von vier Feinwerktechnikern der Firma selbst programmiert. Lediglich einzelne Kleinteile, wie Kugellager, Holzgehäuse und Glasscheiben, werden zugekauft. Auch die Endmontage der selbst entwickelten Uhren erfolgt direkt in den Gräfelfinger Firmenräumen. Hierzu beschäftigt Erwin Sattler zahlreiche Uhrmacher und Uhrmachermeister. Das Unternehmen bildet aber auch junge Leute zu Uhrmachern aus. Im Rahmen des Rundganges durch die Uhrmacher-Werkstatt konnten wir unter anderem die Endmontage von Tischuhren sehen (Bild 15), sowie die oben bereits erwähnte Handbombierung von Zeigern.

Bild 06: Wandpendeluhr „Metallica Rotalis“ von Erwin Sattler mit zweimal vier in den Seiten versteckten integrierten Präzisionsuhrenbewegern.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Individuelle Uhren für jeden Geschmack

Außerdem erhielten wir im ausgiebigen Firmenrundgang umfassende Erklärungen zu den unterschiedlichen Uhrentypen und zu diversen besonderen Uhren. So baut das Unternehmen beispielsweise mit der „Maxima Lunaris“ eine imposante 2,6 Meter hohe Standuhr mit Mondphasenanzeige. Und mit 3,04 Metern ist die „Maxima Secunda“ sogar noch größer. Diese außergewöhnlichen Meisterwerke haben allerdings auch einen Preis weit im sechsstelligen Bereich.

Noch ungewöhnlicher waren bei der Manufakturbesichtigung Wand- und Standuhren mit integrierten Uhrenbewegern für mechanische Automatik-Armbanduhren (Bild 06). Hier begegnet sich dann die Klassik mit der Moderne, denn jeder Uhrenbeweger kann einzeln via WLAN individuell für die jeweilige Armbanduhr konfiguriert werden – zur Simulation des Tagesablaufs des Trägers, also mit Aktiv- und Ruhephasen. Und geschützt sind die Armbanduhren durch Panzerglasscheiben, die erst durch einen Fingerprint-Sensor freigegeben werden. Das aktuelle Highend-Modell dieser ungewöhnlichen Kombination ist übrigens die „Troja Opus Temporis“ – eine 2,22 Meter hohe Präzisionsstanduhr mit Sekundenpendel, ewigem Kalender, Schlagwerk, zweimal acht seitlich versteckten Uhrenbewegern und im Sockel integriertem Tresor zum Listenpreis von 182.000 Euro.

Bild 07: Schiffsuhr von Erwin Sattler.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Bei Erwin Sattler gibt es auch wesentlich erschwinglichere Wand- und Tischuhren. Das Spektrum der Tischuhren beginnt bei knapp 3000 Euro für die „Office Clock“. Der günstigste Seilzug-Regulator für die Wandmontage ist die Classica 60 zu Preisen ab 3950 Euro. Standuhren gibt es ab 12.800 Euro (Excelsia mit 185 cm Höhe). Wer für Schiffsuhren sowie nautische Instrumente (Baro-, Hygro- oder Thermometer) schwärmt, wird bei Erwin Sattler ebenfalls fündig (Bild 07). Und schließlich bietet das Unternehmen sogar Armband- oder Taschenuhren an.

Bild 08: Zusammenbau des Werkes der „Mechanica M1“ von www.uhrenbausatz.de – über die Montage habe ich auch ein YouTube-Video hochgeladen, das hier zu finden ist: https://youtu.be/vJofusAisRk
(Foto: Peter Pernsteiner)

Uhren selbst bauen?

Wer sich mit dem Gedanken spielt, eine mechanische Uhr selber bauen zu wollen, wird bei Sattler ebenfalls fündig. Unter www.uhrenbausatz.de gibt es drei Wand-Pendeluhrmodelle mit 76 cm Länge (Mechanica M4), 102 cm Länge (Mechanica M1, siehe Bild 08 bis 10) oder 142 cm Länge (Mechanica M3, siehe Bild 11 und 12). Zudem bietet das Unternehmen auch eine 32 cm hohe Tischuhr (Mechanica M2) als Bausatz.

Bild 09: Zusammenbau des Werkes der „Mechanica M1“ von www.uhrenbausatz.de – über die Montage habe ich auch ein YouTube-Video hochgeladen, das hier zu finden ist: https://youtu.be/vJofusAisRk
(Foto: Peter Pernsteiner)

Jede dieser Uhren kann sehr individuell nach persönlichem Geschmack zusammengestellt werden – in Naturholzausführung oder mit schwarzem Schleiflack, mit unterschiedlichen Zifferblättern und auf Wunsch sogar mit handbombierten Zeigern. Bei den Wanduhren kann man unterschiedliche Pendelkörper, eine Kugellagerung für die Seilrolle und beispielsweise auch ein Barometerinstrument dazu bestellen, das den Pendelschlag in Abhängigkeit vom Luftdruck ausgleicht und damit die Ganggenauigkeit deutlich erhöht. Die Montage der Uhrenbausätze dürfte selbst für Laien problemlos möglich sein (siehe Bilder 08 bis 10 und mein YouTube-Video unter https://youtu.be/vJofusAisRk). Nachdem aber auch diese Uhren vorbildlich gut verarbeitet sind und nahezu alle Teile bei Erwin Sattler in Gräfelfing gefertigt werden, haben die Mechanica-Uhrenbausätze ebenfalls ihren Preis – den Tischuhr-Bausatz gibt es je nach Ausführung ab 2200 Euro und der Preis für die günstigeste Wanduhr-Variante liegt bei 4200 Euro.

Bild 10: Zusammenbau des Werkes der „Mechanica M1“ von www.uhrenbausatz.de – über die Montage habe ich auch ein YouTube-Video hochgeladen, das hier zu finden ist: https://youtu.be/vJofusAisRk
(Foto: Peter Pernsteiner)

Fazit:

Die Uhren von Erwin Sattler ist meines Erachtens echte Meisterwerke – sowohl die edlen Fertigmodelle, als auch die Bausatzuhren. Das Design vieler Uhren hat mich ebenfalls sehr angesprochen. Der Besuch bei Erwin Sattler am Tag der offenen Türe hat mir wirklich Spaß gemacht –allerdings werden die meisten Uhren dieser Firma für mich wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit ein unerreichbarer Traum bleiben.

Bild 11: So sieht eine fertige Uhr des Bausatzes „Mechanica M3“ aus …(Foto: Peter Pernsteiner)

Am meisten faszinierten mich persönlich ein Präsentations-Uhrwerk mit „Ewigem Kalender“, das auch in der Wanduhr „Opus Temporis“ eingebaut ist (siehe Bild 20) und eine in die Gebäudefassade integrierte Turmuhr mit acht Meter langem Pendel, das man auch im Showroom des Gebäudes sehen kann – siehe Bild 21 und mein YouTube-Video unter diesem Link: https://youtu.be/1kZL2lYPVfI

Die Außenansicht der gigantischen Turm-Pendeluhr sieht man sehr gut im YouTube-Firmenvideo des Unternehmens unter folgendem Link: https://youtu.be/gXpI2JhXR2Y?t=7m24s

Und wer sich für die unzähligen unterschiedlichsten Fertiguhren von Erwin Sattler interessiert, wird hier fündig: http://www.erwinsattler.com

Wer sich für die Uhrenbausätze des Unternehmens interessiert, findet hier weitere Informationen: www.uhrenbausatz.de

Mein YouTube-Video von der Montage des Uhrwerks des Wandpendeluhr-Bausatzes „Mechanica M1“ gibt es hier: https://youtu.be/vJofusAisRk

Bild 12: … und dies ist das Ziffernblatt der „Mechanica M3“.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Bild 13: Blick auf einen Werkstatt-Arbeitsplatz bei Erwin Sattler am Tag der offenen Türe am 1.7.2017.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Bild 14: Imposantes Design einer Standuhr mit Glassturz am Eingang des Schauraumes bei Erwin Sattler in Gräfelfing.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Bild 15: Endmontage eines Uhrwerkes von Erwin Sattler am Tag der offenen Türe.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Bild 16: Auch diese etwas kleinere Wand-Pendeluhr von Erwin Sattler …
(Foto: Peter Pernsteiner)

Bild 17: … ist sehr aufwendig verarbeitet …
(Foto: Peter Pernsteiner)

Bild 18: … und hat ein sehr interessantes Ziffernblatt.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Bild 19: In klassischem Design präsentiert sich die „Laterna 1615“ (Wiener Laterndl) von Erwin Sattler. Auf diesem Bild bekommt man einen guten Eindruck über das Innenleben dieses Meisterwerkes.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Bild 20: Blick ins Werk einer Wand-Pendeluhr von Erwin Sattler mit einem mechanisch arbeitenden ewigen Kalender. Dieses Uhrwerk kommt auch in der „Opus Temporis“ zum Einsatz.
(Foto: Peter Pernsteiner)

Bild 21: Blick ins Innere der Fassaden-Pendeluhr bei Erwin Sattler mit einer Pendellänge von 8 Metern – hierzu habe ich auch ein YouTube-Video hochgeladen, das hier zu finden ist: https://youtu.be/1kZL2lYPVfI
(Foto: Peter Pernsteiner)